Die Rückreise findet leider ohne Nachtzug statt, dafür klingelt der Wecker um 05:30 Uhr. Zur Sicherheit sind wir beide schon vor dem Wecker wach geworden und machen ihn damit arbeitslos. Unser Privatshuttle bringt uns von weit oben in den Bergen bis zum Bahnhof Finale Ligure Marina. Dort rollt lautstark hupend der Regionalzug RO 3357 ein. Die Reise führt uns wieder entlang der malerischen italienischen Riviera.
„Wenn Sie in Fahrtrichtung rechts sitzen, haben Sie auf weiten Teilen der Strecke einen herrlichen Blick auf das Mittelmeer.“
Das stimmt nur, wenn auch die Sonne vorher aufgeht. Das ist allerdings erst 35 Minuten nach Fahrtbeginn der Fall. Auch mit Sonnenlicht macht ein Blick aus dem Fenster meist nur kurz Spaß. Der Weg führt durch unzählige Tunnel und kaum haben sich die eigenen Augen auf die sanften Wellen fokussiert, ist schon wieder Fels- oder Betonwand im Weg. Dafür bekommen wir vom morgendlichen Lauf der besten Bergwanderführerin Liguriens (Kontakt auf Anfrage) Bilder geschickt und genießen den letzten italienischen Sonnenaufgang für diese Reise zumindest digital. Warum genau reisen wir ab?




Genua lässt uns nur 15 Minuten Umstieg. Genug für einen Espresso. Die letzten Gelegenheiten, die Brühe in schmackhaft und für 1,20 € zu bekommen, lasse ich mir nicht entgehen. Da die Zeit aber knapp ist und wir schwer beladen sind (habe ich erwähnt, dass ich 5 l Olivenöl dabei habe?), wähle ich einen Automatenespresso. Der kostet nur 1 € und ist leider auch recht bitter. Dennoch ein Erlebnis am Bahnsteig, einen frisch gemahlenen Kaffee zu bekommen.
Den Intercity nach Mailand erkunde ich aus Wagen fünf in beide Fahrtrichtungen ausgiebig. Den Kaffeeautomaten vom Bahnsteig gibt es auch hier, allerdings ist er defekt. Wir hätten gern noch Ginseng-Kaffee probiert. Ich kaufe im Automaten aber ein Geschenk für Ortwin. Wenn er schon nicht dabei sein konnte, soll er zumindest einen Hauch Italien als Mitbringsel bekommen.





Italienische Zugtoiletten

In Italien ist die Toilettentechnik eine Frage des Zugalters. Es gibt Fallrohr und Hightech. Während die Hochgeschwindigkeitszüge (z.B. der Frecciarossa) moderne Vakuumsysteme nutzen, wie wir sie aus allen deutschen Zügen kennen, finden sich in alten Waggons noch Fallrohr-Toiletten. Diese entleeren sich altmodisch direkt auf die Schienen. Damit der Bahnhof exkrementefrei sauber bleibt, darf bei diesen Modellen nur während der Fahrt gespült werden. Durch den Bestandsschutz darf ein Zug so lange im Einsatz bleiben, bis die Waggons endgültig ausgemustert werden müssen. Mit jeder Flottenmodernisierung werden die Schienen also sauberer. Ich muss sagen, trotz Fallrohr waren die Toiletten im InterCity und auch im Nachtzug anstandslos sauber.
Umstieg in Mailand
Kurz nach zehn steigen wir erneut in Milano Centrale aus. Angesichts meines Gepäcks (habe ich den 5-Liter-Kanister Olivenöl erwähnt?) setzt J. mich in ein Café mit schöner Aussicht, aus dem heraus auch die Anzeigetafel nicht zu übersehen ist. Er spaziert herum und kauft Verpflegung. Tja, schon blöd, wenn man ohne Olivenöl reist.
EC 150 nach Frankfurt am Main




Abfahrt 11:10 Uhr von Gleis 8. An der allgemeinen Zugangskontrolle zu den Bahnsteigen staut es sich. QR-Codes werden von Menschen mit ihren Augen gescannt. Spannend. Unser Zug besteht erneut aus zwei Teilen. Wie schon in Zürich wandern wir an nahezu der kompletten Zuglänge entlang, bis wir Wagen sechs erreicht haben. Als ich den Zug betrete, wippt er leicht in meine Richtung. Habe ich erwähnt, dass ich 5L Olivenöl mit mir …? Wir gehen nach erneuter durchquerung des Gotthardtunnels dennoch in den Speisewagen.







Der Giruno ist der „weltweit erste Hochgeschwindigkeits-Triebzug mit stufenfreiem Einstieg“, das muss man den Schweizern erst mal nachmachen. In den Wagen gibt es eine angenehme Beleuchtung und die Zugfahrt ist sehr leise. Fast auf die Minute pünktlich erreichen wir Frankfurt am Main. In der Unterführung zu Gleis 13 riecht es vertraut nach Urin.
ICE 832 nach Berlin HBF
Auch der ICE fährt pünktlich ab und stellt unseren letzten Fernverkehr dieser Reise dar. Entgegen der vergangenen 12 Stunden wackelt es hier gewaltig und im Zug klappert es dauerhaft irgendwo. Das Wunder der Reise: Wir erreichen den Heimatbahnhof zu früh. Wunder geschehen.

Fünf Fragen nach dreizehn Tagen auf Reisen an Mitfahrer J.:
(Anmerkung des Autors: Weil J. gesagt hat ich solle auch antworten, nun eben auch Antworten von mir dazu)
Was war dein liebster Zug auf dieser Reise und warum?
J.: Der Intercity Notte war natürlich toll. 21 Stunden Einzelkabine sind großartig, aber was mich noch mehr beeindruckt hat, war dieser Schweizer Eurocity. Das ist ein toller Zug, mit schönem Speisewagen, relativ loser Bestuhlung, kleinen Abteilen, barrierefrei. Sehr ruhig und in der Landschaft großartig.
Lorenz: Regionalexpress zwischen Genua und Finale Ligure. Da waren so schön viele Tunnel. Die Scheiben waren dreckig. Das liebe ich. Im Ernst: Nachtzug und Fährfahrt. Unterwegs sein und entspannen. Der totale Kontrast zum Reisen im Flieger.
Was hat gefehlt oder ärgert dich im Nachhinein?
J.: Zu viel Arbeit mitgenommen. Zu wenig Platz, um Sachen mitzunehmen. Ich hätte gern noch einmal Spaghetti-Ragú gegessen. Ich habe nicht erwartet, dass mir auf dem Schiff schlecht wird. Diese Seite an mir kannte ich bisher nicht und ich mag sie nicht.
Lorenz: An jedem Ort 1–2 Tage mehr. Ärgere mich, dass ich nicht minimalistischer gepackt habe.
Wo würdest du jederzeit noch einmal hin?
J.: Ligurien. Die Kombination aus Bergen und Meer ist wunderbar, die Winter mild und die Städte sehr charmant. Das Essen scheint toll zu sein und allein der Blick von unserer Unterkunft war toll. Ich möchte außerdem Genua noch besser kennenlernen.
Lorenz: Ich möchte noch andere Teile von Sizilien sehen. Mit mehr Ruhe in Ligurien stehen.
Was war das beste Essen?
J.: Das Gulasch von Lorenz war hervorragend. Das Käsefondue im Zug war in der Situation einfach großartig.
Lorenz: Spaghetti Vongole (zum ersten Mal selbst gemacht!). Die soften Milchbrötchen von Mulino Bianco (Pan Goccioli) sind einfach mein Guilty Pleasure (bitte immer mitbringen!).
Was war die größte Überraschung?
J.: Um 7 Uhr morgens losfahren und nach 16 Stunden Zugfahrt 2 Minuten früher als geplant in Berlin Südkreuz ankommen.
Lorenz: Wie gut Espresso schmecken kann.
Die Rückreise

Die gesamte Reise

Danke fürs Lesen. Die nächste Reise kommt bestimmt.
