Buddy-Tag: Lokführer für einen Tag

Zwei müde Buddys erwachen, duschen und begeben sich zum Frühstück. Im Kloster sind glücklicherweise nicht wir für das Morgengebet verantwortlich und so schlagen wir uns die Bäuche voll. Erst gab Arian mir die Anweisung mich warm anzuziehen, dann hieß es ich müsse nur das Nötigste mitnehmen — wir kommen schließlich abends wieder her. Alles ist überraschend. Nichts sicher.

Wie der Pumuckl sitze ich meinem Buddy gegenüber und reime

Mit allen Freuden ist nun Schluss
Das war’s mit Bier und Koitus
Wir sind ins Kloster eingekehrt
Ab heut wird Bibel nur gelehrt

Um 08:45 traben wir bergab zum Bahnhof. Von dort geht ein Bus und auf dem steht: R72 Wasserfall. Davon hatten wir doch gerade erst in Schottland welche in freier Wildbahn. Mit uns in den Bus steigen auch Menschen mit FORT FUN Jacken. Ein weiteres Zeichen? Schleift Arian mich nach dem Plopsaland de Panne und dem Energylandia in meinen dritten Freizeitpark des Jahres?

Bis ich es weiß, erfahre ich nebenbei, dass Jürgen, der Busfahrer, 13 Tage im Urlaub auf Menorca war. Jeder dritte Fahrgast scheint ihn persönlich zu kennen und freut sich, dass „der Jürgen“ wieder da ist. Als Jürgen einem Kumpel vom Schicksal seines Vaters erzählt, höre ich weg und konzentriere mich auf die Schönheit des Sauerlands.

Wir nähern uns den Schildern nach dem Freizeitpark, über den ich nichts weiß. Auf dem Weg gäbe es aber auch ein Bergwerksmuseum und andere Attraktionen. Arian spannt mich weiterhin auf die Folter und zaubert andere, mögliche Ziele aus dem Zylinder. Dann hält der Zug vor dem Fort. Die Mitarbeiter:innen steigen aus. Arian sagt »das Wetter ist gut, vielleicht hätten wir doch heute hierher …« dann springt er auf und ich hinter. Dieser Schlingel.

Da steht es nun, das Fort Fun Abenteuerland in Bestwig, Nordrhein-Westfalen. Am Eingang zieht Arian mich durch eine kleine Nische für Frühstücksgäste. Ich bin zwar satt, kann mich aber nicht wehren. Fünf Meter weiter, begrüßt uns Nico. Ich bemerke ein Paar Arbeitshandschuhe in seiner Hand, was nicht zu seiner Position im Marketing des Parks passt. Mir ist vieles unklar, aber ich folge. Hat Arian einen Besuch im Freizeitpark gewonnen?
Wir durchqueren Teile des Parks im Thema einer Westernstadt und ich möchte direkt alle Attraktion fahren. Wir erzählen vom Buddy-Tag und wo wir herkommen. Nico hält noch dicht, als er erfährt, dass ich von nichts weiß. An einer Ecke stoppt er und fragt, ob ich jetzt bereit wäre zu erfahren, worum es geht. Ja! Unbedingt, die Handschuhe machen mich verrückt. Und dann wird aufgelöst:

Wir machen einen Dampfloktag. Arian brauchte einen Heizer/ Assistenten und, wie gestern zugesichert »Wenn du wider Erwarten Spaß hast, machen wir das im nächsten Jahr um die gleiche Zeit mit vertauschten Rollen nochmal«. Nun fangen wir aber erstmal an:

Benny, der Lokführer, begrüßt uns und nimmt uns mit zum im Tunnel geparkten Santa Fé Express. Fort Fun (1972 eröffnet) ist der einzige Park außerhalb der Vereinigten Staaten und Kanada mit einer Miniatureisenbahn des US-amerikanischen Herstellers Crown Metal Products. Der hat sich auf den Bau von Miniatur-Dampflokomotiven spezialisiert und ist daran auch zugrunde gegangen, als alle Parks ausgestattet waren. Zwischen den 1960er bis 1980er Jahren belieferte sie zahlreiche Freizeitparks weltweit mit detailgetreuen Nachbauten klassischer US-Dampflokomotiven. Konkret handelt es sich im Fort Fun um eine originalgetreue Western-Dampflok, wie sie in den USA im 19. Jahrhundert für den Schienenverkehr typisch war. Die Bahn wurde 1979 aus den USA importiert und hat die Spurweite 914 mm, was einer Yard Gauge entspricht, und typisch ist für US-Parkbahnen. Wiegen tut die Lok fast 25 Tonnen, darin bietet sie Platz für ca. 4m³ Wasser und ca. 2.500L Flüssiggas. Die Umrüstung auf Gas erfolgte erst später und natürlich aus wirtschaftlichen Gründen. Maximal 25 Km/h schafft das dampfende Ding. Fahren tut es nur in den hiesigen Sommerferien, also im Juli und August.

Die Strecke ist leider seit dem brückenzerstörenden Sturm Kyrill vor vielen Jahren deutlich gekürzt. Benny weist uns darauf hin, dass nach jeder Fahrt mit Menschen eine Rangierfahrt ansteht. Ich sehe das Leuchten in Arians Augen: Rangieren kann er.

Benny erklärt uns wie die Lok gewartet wird, dass jedes Jahr eine Kesselprüfung durchgeführt wird und wir gleich erstmal schmieren müssen. Um 10:30 zünden wir die Gasflamme, das Dampfross braucht lange um warmzuwerden und die erste Fahrt ist für 13:30 Uhr terminiert. Viele ehemalig Kohle betriebene Dampfloks sind inzwischen auf Gasbetrieb umgerüstet.

Während Arian die Gelenke ölt, erzählt Benny weiter, dass er Fort Fun seit Kindertagen kennt. Auch wegen des Santa Fé Express ist er Lokführer bei der DB geworden und heute fährt er den Grund dafür an einzelnen Tagen selbst. Was für eine schöne Geschichte. Freizeitparks sind Wegweiser fürs Leben. Arian merkt an, dass es sich »falsch anfühlt, ohne Warnweste im Gleis und an der Lok zu stehen«. Während Benny die Lok bewacht, ist für uns eine gute Stunde Zeit den Park zu erkunden. Wir fahren Riesenrad und 2 Achterbahnen gemeinsam, dann muss Arian zur ersten Bereitstellungsfahrt als „Lokführer für einen Tag“. Ich nehme auch noch die Dritte, die Marienkäferbahn mit und folge ihm dann.

Auf dem Rückweg zum Bahnhof höre ich die Bahn schon pfeifen. Schnell laufe ich, orte meinen Buddy und stelle mich bereit. Der Zug rollt trotz seiner Größe majestätisch an mir vorbei und mit im Führerstand Arian. Auf beiden Seiten ein tolles Gefühl.

Als ich den Bahnhof erreiche, steigen schon die ersten Gäste ein. Ich bekomme einen besonderen Platz direkt hinter der Lokomotive und habe besten Blick auf alles. Die Fahrt beginnt und ich genieße den Fahrtwind, die Aussicht und das Gefühl wie in alten Tagen unterwegs zu sein. Der bei mit Kohlen betriebene typische Ruß fehlt mir heute nicht. Ich war nicht vorbereitet auf dieses Ereignis. Wäre ich es, hätte ich als professioneller Dampflokbegleiter natürlich eine Skibrille eingepackt. So ist es auch schön und wir fahren an einer alten Westernstadt vorbei, die früher für Shows genutzt wurde. Eine Weiche führt aus der geraden Strecke zu einer Schlaufe und bringt uns über selbige Weiche zurück zum Bahnhof. So kommt es auch, dass der Zug nach Rückkehr in den Bahnhof gewendet werden muss. Bei diesem Manöver bin ich überflüssig. Daher kümmere ich mich um die Verpflegung für Lokführer-Buddy und mich. Mit Wiener- und veganem Schnitzel + Pommes kehre ich zurück und verköstige den hungrigen Lokführer. Auch Nico stößt als Parkbetreuer wieder zu uns und überrascht mit zwei Urkunden. Eigentlich erhält nur der Lokführer für einen Tag eine, doch für uns als Buddy-Tag-Duo macht er eine Ausnahme. Große Freude und nochmals vielen Dank!

Nach der letzten Tour mit Parkgästen und einer weiteren Rangierfahrt (diese dürfen nicht mit Passagieren stattfinden) schlägt die große Stunde für Arian. Nun darf er allein ans Steuer. Ich genieße still und freue mich für ihn. Lokführer Benny und sein Kollege Andreas stehen ihm bei. Er scheint seinen Job als Lokführer für einen Tag nicht schlecht gemacht zu haben. Wir stehen noch lange an der Lok und philosophieren.

Mehr Achterbahnen schaffen wir heute kaum noch, es ist fast 17 Uhr, als wir uns verabschieden müssen. Die meisten Fahrgeschäfte im Park schließen und wir schaffen es gerade noch auf die neue Attraktion “Wild Swing”. Die Schaukel bewirkt kribbeln im Bauch. Die Raftingbahn “LOS RAPIDOS” hat auch noch geöffnet und als Abschluss drehen wir uns eine Runde auf dem Kettenkarussell.

Wer immer schon einmal selbst zwischen Kessel und Tender stehen wollte, kann sich hier einen Tag als Lokführer:in buchen.

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