Samstag, 27.06.2026
Chialvetta — Acceglio — Cuneo — Turin


Ich dehne die Rückreise künstlich und weil es geht, noch ein wenig. Von der wunderbaren Wander-Villa geht es am Samstag um neun mit dem Sherpabus nach Cuneo. Dort steigen wir, die verbliebene Gruppe besteht aus sechs Menschen, nach einer guten Stunde Wartezeit in den Regionalzug nach Turin. Ungewohnt hohe Temperaturen und die versiegelte Hitzefläche einer Großstadt begrüßen uns. Erst einmal abladen und verschnaufen. Wir sind inzwischen nur noch drei, die sich das Apartment teilen. Ich könnte dort sogar kochen, aber es ist so heiß…
Am frühen Nachmittag geht es zum Markt, dann mit Aperol-Pause und Supermarktbesuch (Kultur!) zurück in die angemieteten, klimatisierten Räume.







Abends Spaziergang am Fluss, Po heißt er hier. Dann Tram, Bus und später runter mit der Standseilbahn. So der Plan. Nach einer Portion Pasta in einem Restaurant unweit der Bergstation steigen wir auf. An der Station müssen wir feststellen, dass die letzte Bahn bereits gefahren ist. Uns bleibt kaum etwas anderes übrig, als abzusteigen. Am ersten Erholungstag des Urlaubs also doch wieder wandern. Erst geht es eine Straße entlang, dann einen Waldweg. Irgendwann wird es enger und auch dunkler. Als wir nur noch wenig sehen und wieder auf eine Straße treffen, folgen wir dieser auch, wenn der Weg dadurch länger wird. Gegen 22:30 erreichen wir eine Bushaltestelle und springen in den herannahenden Bus 61, der uns bis zum Bahnhof Porta Nuova bringt.



Sonntag, 28.06.2026
Heiß, heißer, 2026.
Der nächste Tag wird zum Ausruhen genutzt. Ich neige dazu, auf Reisen keine Pausentage einzulegen und bereue es im Nachhinein stets. Heute also entspannte, hitzekompatible Spaziergänge in Turin. Ein Kinobesuch im Central Cinema Arthouse mit einem Film über ein Huhn. Am Abend Pizza, Campari Spitz und Donnergrollen und Regen.






Montag, 29.06.2026
Turin — Paris
Montagmorgen, Abreisetag. Ich kann nach offizieller Check-Out dankenswerterweise mein Gepäck noch im Apartment stehen lassen. Leichtfüßig mache ich mich auf den Weg. Meinen Plan, das Filmmuseum Mole Antonelliana zu besuchen, verschiebe ich aufgrund der Hitze. Sowohl online als auch am Eingang wird darauf hingewiesen, dass die Ausstellungsräume nicht klimatisiert sind. Bei 37°C spare ich mir einen unkonzentrierten Museumsbesuch und komme lieber wieder. Stattdessen spaziere ich hier und dort entlang, meide die mir schon bekannten Straßen und finde immer wieder angenehme, schattige Plätze. Meine Flasche leert und füllt sich bis zum frühen Nachmittag dreimal. Wie schön, dass es hier vielerorts Trinkwasserbrunnen gibt.






Um 16 Uhr sammle ich mein Gepäck ein und fahre mit der Metro von Torino Porta Nuova zum Bahnhof Station Porta Susa. Im 15.000 Quadratmeter großen Glasdach stecken monokristalline Solarzellen. Damit wird ein großer Teil des Strombedarfs der Station gedeckt. 2013 gab es dafür den Preis für die beste europäische Station des Jahres. Mein Frecciarossa kommt leicht verspätet aus Mailand. Von hier geht es über Lyon, Chambéry, Modane und die Alpen direkt nach Paris, Gare de Lyon.
Die Fahrt verläuft entspannt. Bis auf Regen und eine Stichprobenartige Passkontrolle in Frankreich keine besonderen Vorkommnisse. Ich schaue mir in der Bordunterhaltung „ Like a Complete Unknown“ an und kümmere mich um die zahlreichen Fotos der Reise. Im Bordrestaurant hole ich mir Vitamine und Espresso. Den letzten italienischen und damit auch vorerst generell letzten für mich. Nun bleibe ich wieder bei meinem Motto: Kaffee nur, wenn er so gut wie in Italien ist, andernfalls verzichte ich lieber.









Dienstag, 30.06.2026
Paris — Berlin
Nach einer kurzen Nacht im Hostel beginne ich den Tag gegen Zahlung von 13 € leichten Fußes, während mein Gepäck in einem Schließfach schlummern darf. Frühstück ist obligatorisch bei Land&Monkeys. Diesmal ist die Filiale Beaubourg dran und auch hier schmeckt alles vorzüglich. Die Zeit des guten & günstigen Espresso ist nun leider vorbei. Paris verlangt mindestens zwei Euro, ich reduziere meinen Konsum und steige um auf Kakao. Die nächste Station wird zur Entspannung ein Kinobesuch.

Wenn sie auch einen Kauderwelsch aus vielen Sprachen von sich geben, kommt zumindest das Studio der Minions aus Frankreich: Illumination Studios Paris. Grund genug, Des Minions et des monstres in Paris zu schauen. Hier habe ich vor Jahren Jahrzehnten bereits Ratatouille zum ersten Mal gesehen, damals auf Französisch. Heute läuft die englischsprachige OV mit französischen Untertiteln. Der Film macht Spaß und meine müden Beine ruhen sich aus, während mein Zwerchfell arbeitet.



Von Les Halles mache ich mich auf den Weg zu Notre-Dame. Der Weg ist abwechslungsreich und beschämend zugleich. Neben Luxusgeschäften und Leckereien an jeder Ecke zeigt sich die Obdachlosigkeit der Stadt. Mehrfach werde ich um Geld gebeten, kann leider nur Bananen bieten – doch auch die werden dankbar genommen.
Reicher Mann und armer Mann
Berthold Brecht
Standen da und sahn sich an.
Und der Arme sagte bleich:
Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.

Vor der Kathedrale „Notre-Dame de Paris“ sammeln sich die Menschen in Schlangen und es dauert gute zehn Minuten, bis ich eintreten darf. Trotz Trubel stellt sich ein anderes Gefühl ein. Das Gemurmel der Massen wird in regelmäßigen Abständen durch ein über Lautsprecher ausgespieltes „Schhhhhhht! Silence s’il vous plaît“ unterbrochen, Ruhe kehrt aber auch ein, weil viele sich setzen und einfach nur schauen. Ich stelle fest, dass an mehreren Stellen Andachtskerzen und Räucherkerzen gegen Spende gezündet werden können. Da sind die Italiener mit ihren elektrischen Einwurfkerzen sicherer, was Brandschutz angeht. Aber hier wird schon nichts passieren.
Nach einer halben Stunde im Gottes Gemäuer mache ich mich wieder in die frischere Außenwelt auf. Zwar hat die Kathedrale zum Teil geöffnete Fenster, dennoch ist es stickig.







Mit der Metro fahre ich zurück zum Gare du Nord, spaziere noch herum und weil ich mal wieder die lokalen Mittagszeiten verpasse, hole ich mir ein belegtes Baguette statt des angedachten Menüs im Sol Semilla Restaurant. Kauend sitze ich später an der Seine am Canal Saint-Martin und schaue schwimmenden Menschen zu. Das ist derzeit nur wegen Hitze erlaubt. Dann heißt es Abschied nehmen. Abschied von leichtem Gepäck, denn das Schließfach will geräumt werden. Adé sage ich auch den Trinkwasserspendern auf dem Weg, als ich meine drei Flaschen noch fülle. Die Rückfahrt ab Gare du Nord wird planmäßig 15:55 h brauchen. Besser zu viel Flüssigkeit als zu wenig. Vor dem Gare du Nord hängt noch ein 35mm Sticker, den ich dort beim letzten Besuch hinterlassen habe.
Wir starten mit Verspätung und sind anfangs zu zweit im Abteil. Angesichts der Wärme hoffen wir, dass es so bleibt. Auf der Ablage am Fenster stehen lediglich zwei Flaschen Wasser — könnte für einen nicht ausgelasteten Zug sprechen. Als später der Schaffner kommt, teilt er uns mit, dass wir ab Brüssel leider doch zu fünft sein werden.
Ich schreibe, schaue, öffne mein letztes Pariser Bier und winke aus dem Fenster hängend wahllos Menschen aus dem langsam rollenden Zug zu. Gegen 20 Uhr queren wir unmerklich die Französisch-Belgische Grenze, fortan winke ich auf einer anderen Sprache. Auch mit drei weiteren Menschen im Abteil ist die weitere Reise unkompliziert. Ich schlafe sogar fast durch und komme sehr erholt, pünktlich um neun Uhr morgens in Berlin Gesundbrunnen an.




Danke fürs Lesen. Weitergereist wird noch dieses Jahr. Wann, wohin und mit wem steht dann vermutlich wieder hier.
