Valle Maira

Lago Nero im Valle Maira: ein Bergsee auf rund 2.225m

Während in Deutschland die 40°C-Marke im Juni 2026 gleich mehrfach gerissen wird, begrüßen die italienischen Berge mit angenehm frischen Temperaturen. Da es sich hier um einen Reiseblog mit Schienenbezug handelt und ich neben meinen Füßen nicht auch noch meine Fingerspitzen unnötig abnutzen möchte, kein vollständiger Bericht, sondern Eindrücke einer tollen Woche.

Die Locanda di Chialvetta: Unterkunft, Restaurant und Wohlfühlplatz.

Nach einem Kennenlernen der Gruppe am Abend der Anreise (drei Menschen kenne ich bereits) beginnt die Wanderschaft am nächsten Tag pünktlich um 08:30 Uhr (morgens!). Wir sind sieben Menschen + international anerkannte Bergwanderführerin A. Sie kennt nicht nur die Ligurischen Berge, sondern auch im Valle Maira fast jeden Weg, Bergbach, die kalten Seen und Murmeltiere persönlich. Wir starten mit leeren Wasserflaschen, denn in etwa 20 Minuten Entfernung gibt es eine wunderbare Quelle, an der wir uns mit genügend Flüssigkeit für den Tag bevorraten. Noch sind wir in bewohntem Gebiet, einige Tafeln erklären, welche Tiere hier abseits des Menschen beheimatet sind, wir lernen aber, wie wenige Menschen hier abseits des Tourismus noch hausen. Empfehlenswert ist dazu die Dokumentation Skitourentraum im Valle Maira (BR vom 08.01.2017) — lediglich der Schnee ist gerade nicht hier.

Das seit mindestens 4000 Jahren besiedelte Tal ist eine der am stärksten von Landflucht und Abwanderung betroffenen Regionen des Alpenraums und ganz Italiens.

Valle Maira in der Wikipedia

Knapp 3 Stunden Wanderung und rund 8 km später bieten sich zwei Möglichkeiten: Rast im Schatten oder vom Kamm noch auf einen der nahe gelegenen Gipfel. Als der Jüngste in der Gruppe entscheide ich mich für eine schonende Pause im Schatten. Die Sonne scheint unerbittlich und nur wenige Wolken hindern sie zeitweise daran. Auch Bäume sind auf 2200 Meter nicht mehr die größten Schattenspender. Ich finde aber ein Plätzchen und entledige mich meiner Schuhe und Socken. Die anderen wandern, ich trockne und irgendwer muss schließlich auch Kekse essen. Die besten italienischen Kekse sind für mich übrigens bis dato die GRAN CEREALE. Wer in Italien urlaubt und Platz im Rückreisegepäck hat, darf mir davon immer gern eine Rolle mitbringen! 
Bevor am Nachmittag ein heftiger Regenschauer einsetzt und für Abkühlung sorgt, wasche ich den Schweiß des Tages im eisig kalten Bergbach ab. Es kostet Überwindung und die Füße schmerzen nach wenigen Sekunden im kalten Wasser, doch nachdem ich mich im Wasserstrom hingelegt habe, wird es besser. Dreimal wechsle ich vom Ufer ins Wasser, dann geht es zum Bier und Panini. 
Am Abend wird erneut herrlich italienisch aufgetischt: Salat, Vorspeise, Erster Gang, zweiter Gang, Dessert und Espresso. Ich rolle ins Bett. 

Der Tagesablauf für die Wanderwoche spielt sich auf 07:30 Uhr Frühstück und 08:30 Uhr los, wandern oder Abfahrt ein. Beginnt der Wanderweg nicht in der Nähe, bringt uns der Sherpabus oder Privat-PKW an den Start. 
Während irgendwo die Fußball-WM der Herren tobt, höre ich zwischendurch den IMPERIUM-Podcast und lerne, warum mir die FIFA und der Sport in vielen Teilen zuwider sind. Musikalisch stimmt unsere Wanderführerin uns mit Se Canta in die Okzitanische Musik ein. Das wird dann auch gesungen, als wir in Elva, einem kleinen Dorf sehr abgelegen, die Kirche besuchen. Im Anschluss geht es in das kleine Dorfmuseum Museo dei Caviè Museo di „Pels“ in Valle Maira und wir lernen, dass die Bewohner Elvas lange Zulieferer für Haare in die ganze Welt waren. Im Museum wird der Prozess der Verarbeitung, Säuberung und Vorbereitung für die Produktion von Haarteilen und ganzen Perücken gezeigt. Briefe mit Bestellungen und Dank aus der ganzen Welt beeindrucken.

Irgendwo in der Nähe von Elva begegnen uns Schafe, Ziegen und ein beliebter Foto-Felsen. Die Bienenstöcke hier sind abwechslungsreich bunt.

Empfehlenswerte Dokumentation: Re: Geldsegen für ein italienisches Bergdorf (Arte vom 20/02/2025) 

Mehrfach stoßen wir auf den Bergkämmen auf Bunkeranlagen. Sie gehörten zum italienischen „Alpenwall“ und wurden vor dem Zweiten Weltkrieg unter Mussolini gebaut. Die Aussicht macht klar, weshalb und stabil scheinen sie auch zu sein. Der ausströmende moderige Geruch ist allerdings nicht einladend. Ich wage mich nur einmal bis etwa zur Hälfte in eines der Gemäuer hinein und bin erstaunt, wie geräumig und unterteilt alles ist. Viel schöner sind die immer wieder pfeifenden Murmeltiere, Schmetterlinge, Vögel und unzählige Blumen und Pflanzen. Die Floraincognita-Apps der Gruppe laufen heiß vor lauter Pflanzenbestimmung. Zum Ende der Woche werden sogar Edelweiß gesichtet. 

Am letzten Wandertag steigen wir bis zum RIFUGIO DELLA GARDETTA auf 2335 m auf. Hier gibt es als Lohn Bier, Polenta und Strudel. Auch bekommen wir eine Führung zu den Kleinstunterkünften, in denen zwei Menschen Platz finden und mit Blick auf die Berge einschlafen und aufwachen können. Grund genug hier noch einmal her zu kommen.

Am Ende von sechs Wandertagen stehen über 70km „Hiking Workouts“ in meiner App. 4256 m ging es hoch. Als Dank für die schöne Woche mit Aussicht, Frischluft, wunderbarer Verpflegung und Unterhaltung auf und am Berg schenke ich unserer Wanderführerin dieses sehr dankbar gemeinte Gedicht:

Wie die Gänse in der Reihe 
Gehen wir den Berg entlang
Aussicht, Pflanzen, kalte Quellen
Dank der Leitung ohne bang

Erster Gang, watschelnd nach oben
Von der Aussicht schon ganz satt
Wird am Abend nachgemästet
Nachtisch macht dann alle platt

Alle Gänse in der Stallung
Schnattern was von Hauptgewinn
Unter ihnen eine goldene
Unsere Wanderführerin

Dir A., wollen wir danken
Für die Zeit mit Murmeltier
Ob bei Regen oder Sonne
Gern gefolgt sind wir dir hier

Kulinarisch bleiben mir die vielen Gänge am Abend in der Locanda di Chialvetta in Erinnerung. Acht Italien, du leckeres Land.

Zu guter letzt, bleibt eine Würdigung des Murmeltiers:



Das Murmel

Ich wandere wirklich gern mit dir
doch hätte ich gern ein Murmeltier
das neben mir vergnüglich rennt
und dann in meinem Rucksack pennt
Das gerne auch vergnüglich pfeift
beim Rasten nach dem Vesper greift
Bei Murmeltier mit spitzen Zähnen
würd ich mich stets im sichern wähnen
Das vorneweg den Weg mir weist,
mit mir zu neuen Bergen reist
Ein Murmel, das mit Pfiff mich weckt
sich neben mir im Bette streckt
Im Winter wärmt, beim langen Schlaf
Ein Murmel eben, flauschig, brav

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